Musikunterricht ist individuell, deshalb muss er auch individuell gefördert werden

Kolumne im Februar 2017

Als Schüler habe ich den Philosophen Bertrand Russell beneidet, da er von einem Hauslehrer unterrichtet wurde und nicht in die Schule gehen musste. Gewiss, diese Zeiten sind längst vorbei, allerdings nicht völlig: In der Musik gibt es noch Einzel- und Kleingruppenunterricht - und Privatmusiklehrer, die besonders flexibel auf ihre Schüler eingehen können, da sie sich nicht in die Organisation einer Schule einpassen müssen. Doch auch Gruppenunterricht hat wichtige Aufgaben: So hat die Violoncello-Virtuosin Sol Gabetta als Kind in einer Suzuki-Schule zu ihrem Instrument gefunden. Freilich führt Musikunterricht in den seltensten Fällen zu einer Solistenkarriere, für die Mehrzahl der Musikschüler ist die Anleitung zu gemeinsamem Musizieren etwa in einer Band oder einem Orchester viel wichtiger. Da bieten Private Musikinstitute und zumeist am umfassendsten Musikschulen ein besonders inspirierendes Umfeld.

Man kann die Förderung für Private Musikinstitute und freiberufliche Musikpädagogen durch das Modell einer Treppe darstellen, die von einzelnen Projekten freiberuflicher Musikpädagogen, Musikinstituten mit Honorarverträgen bis zu öffentlichen Musikschulen mit Festanstellungen führt. Ob diese Stufen auf- oder abwärtsführen, ist eine Frage des Blickwinkels: die freiberuflichen Musikpädagogen beispielsweise können besonders flexibel und individuell auf ihre Schüler eingehen, haben auch aber auch die größte Unsicherheit in ihrer Berufsexistenz. Jede Unterrichtsform hat also ihre eigenen Stärken. Durch die neue Förderung wurden erstmals alle drei unterschiedlichen Formate der Musikpädagogik als förderungsfähig anerkannt.

Ende 2016 hat der bayerische Landtag die Förderung für freiberufliche Musikpädagogen und Private Musikinstitute um 180.000 € jährlich erhöht. Dies ist ein eindrucksvolles Bekenntnis auch zu einer individuellen Musikpädagogik und deren individuellen Förderung! Der Tonkünstlerverband Bayern dankt allen, die ihn bei seiner Bitte um eine Anpassung der Förderung unterstützt haben, insbesondere dem Stv. Vorsitzenden des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag, Oliver Jörg MdL, dem Präsidenten des Bayerischen Musikrats, Dr. Thomas Goppel MdL, und dem Vorsitzenden des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen, Peter Winter MdL, und insgesamt der CSU-Fraktion. Bayern hat einmal mehr bewiesen, dass es ein Kulturstaat ist, wozu auch die sprichwörtliche Liberalitas Bavariae gehört, die weiß, dass Kunst nur in Freiheit aufblüht und dazu auch eine individuell abgestimmte Musikpädagogik gehört!

Franzpeter Messmer
1. Vorsitzender des Tonkünstlerverbandes Bayern e. V.
Erschienen in nmz 02/2017, 66. Jahrgang