Alexander L. Suder 25 Jahre - 50 Bände
Zur Monographienreihe „Komponisten in Bayern - Dokumente musikalischen Schaffens im 20. Jahrhundert“
Rückblicke können manchmal durchaus erfreulich sein, jedenfalls bin ich recht zufrieden, wenn ich auf die Monographienreihe „Komponisten in Bayern“ schaue und dabei an die gar nicht so einfachen Anfänge zurückdenke.
Als Sohn eines Komponisten hatte ich von Jugend auf die Freuden bei Konzert-Aufführungen (besonders eindrucksvoll die Lorbeerkränze!) erlebt, aber auch die Schwierigkeiten, die sich generell bei schöpferischen Persönlichkeiten einstellen, wenn von ihnen auch Fähigkeiten zur Selbstvermarktung notwendig werden. Später kam dann die Erfahrung dazu, dass immer mehr zusätzliche Informationen nötig sind, will man sich einigermaßen gründlich mit Kompositionen eines Meisters beschäftigen. Oft waren die Persönlichkeiten nur schwer zu erreichen und so führten diese Informationslücken zu der Überlegung, dass es notwendig wäre, über unsere Komponisten in Bayern Bücher zu haben, die Auskunft über Leben, Werke und Stil geben können. Etwa seit 1972 war dieser Gedanke lebendig.
Freund Günther Weiß war sehr angetan von der Idee, und, da wir uns in dieser Zeit um 1980 oft trafen, entwickelte sich bald das Gerüst, wie ein solches Buch aussehen könnte. Von Anfang an schwebte mir die Gleichzeitigkeit von Buch und Musik vor, weshalb ich die Vorstellung hatte, ein Tondokument (die MC war damals aktuell) müsse dem Buch beiliegen. Die Idee war, dass im Buch über Werke geschrieben wird, die der Leser gleichzeitig hören kann - also eine ideale Verbindung von Analyse und Kunstgenuss! Leider musste ich dieser Utopie nach den ersten Kontaktversuchen mit Verlegern abschwören, da sich kein Verlag an das Problem einer Kombination dieser unterschiedlichen Medien heranwagte. Überhaupt war es nicht so einfach, eine Institution zu finden, die von der Idee begeistert gewesen wäre. Einzig Freund Hans Schneider aus Tutzing, der große Antiquar, Freund Bayerns und Verleger so mancher Kostbarkeit und Rarität, zeigte sich von der Idee angetan - allerdings nur für Bücher und keine Tonträger.
Erfreulicherweise fand ich in Dr. Erich Stümmer, dem Musikreferenten im Kultusministerium und nachmaligen Vorsitzenden des Landesverbands, verständnisvolle Hilfe. Er stand der Idee einer Buchreihe über bayerische Komponisten sehr positiv gegenüber, hatte aber vor 1977 keine finanzielle Möglichkeit einer Unterstützung. Erst mit dem Bayerischen Musikplan konnte er Mittel frei machen und gewährte dem Vorhaben ab 1982 Zuschüsse, die die Grundlage der Verwirklichung dieser Idee waren und sind. Sein Nachfolger im Amt, Dr. Dirk Hewig, hatte die gleiche positive Meinung, so dass der nervus rerum kontinuierlich vorhanden war und sicher damit kalkuliert werden konnte. Die später verordneten Kürzungen konnten dank weiterer Quellen (z.B. GEMA) einigermaßen aufgefangen werden, zumal die Autorenhonorare bis heute geradezu beschämend bescheiden blieben und stets der gute Wille und der Idealismus der Schreibenden in Anspruch genommen werden musste. Meine Hoffnung ist nicht unbegründet, dass die staatlichen Zuschüsse weiterhin fließen.
Im Grunde blieb bei allen Bänden der Aufbau gleich: Am Anfang steht die Biographie über den Meister, gefolgt von (bei Lebenden) einem Interview als persönliche Äußerung des schöpferischen Menschen. Der Komponist selbst kann und soll sich danach in einem eigenen Beitrag über sein Schaffen äußern oder es gibt geeignete Briefe. Ein sich anschließender Bildteil mit etwa 12 Photos und der Wiedergabe von Handschrift und Notenschrift schafft eine persönliche Atmosphäre. Den nächsten Abschnitt beherrschen detaillierte Aufsätze über Werkgruppen oder über einzelne Kompositionen. Dieser Teil ist naturgemäß individuell sehr variabel, während das nachfolgende Werkverzeichnis Aufschluss über das Gesamtschaffen gibt. Die Diskographie und ein Literaturverzeichnis schließen das Buch ab. Diese grundsätzlich eingehaltene Gestaltung sorgt für eine einheitliche Linie, lässt aber gleichzeitig genügend individuellen Spielraum. Prinzipiell sollten auch immer mehrere Autoren in einem Band zusammenwirken. Dies ist einerseits fachlich bedingt, trägt aber auch zur Lebendigkeit und Vielfalt bei.
Ziemlich am Anfang der Überlegungen stand die Frage, welche Komponisten in dieser Reihe gewürdigt werden sollten. Bald entstand eine lange Liste mit über 50 Namen, im Lauf der Zeit immer etwas ergänzt durch „Nachwachsende“, denn schon anfangs war ich der Meinung, dass vor einem Alter von etwa 65 bis 70 Jahren kein Buch erscheinen sollte. Schließlich war beabsichtigt, Lebensbilder von Komponisten zu zeichnen, die in ihren Wesenszügen und in ihrem Stil feste Umrisse angenommen hatten. Nicht ganz einfach war die Überlegung, inwieweit lebende Komponisten mit schon verstorbenen alternieren könnten. Oftmals gaben Ereignisse, Jubiläen oder Zufälle den Ausschlag, einen Band in Angriff zu nehmen. Immer zeigten sich die Komponisten kooperativ, erfreut über die Möglichkeit einer Würdigung. Für mich bedeutete die persönliche Bekanntschaft mit vielen Meistern eine große Bereicherung und Freude, verbunden mit wachsendem Verständnis für Werk und Leben.
Natürlich hatten die Komponisten ein großes Mitspracherecht bei der Auswahl der Autoren - für mich war der Wunsch der Meister quasi Befehl. Dass dadurch die Arbeit nicht immer leichter wurde, sei am Rande vermerkt, denn manchmal waren die Autoren keine Profis im Schreiben. Die Hauptlast eines Herausgebers sind stets die säumigen Autoren, die gelassen die Termine ignorieren und so die Zeitabläufe gründlich durcheinander bringen. Auch war ich kein Herausgeber, der einfach die Manuskripte in Empfang nahm und zum Setzer trug, sondern ich arbeitete die Aufsätze sorgsam durch - und was ich nicht beim ersten Lesen ver-stand, wurde überarbeitet. So ist ein Beitrag im Buch stets das Ergebnis sorgfältiger Vorarbeit. Dankenswerter Weise war mir aber kein Autor böse deswegen - die meisten zeigten sich sogar dankbar für meine Anmerkungen. Rückblickend darf ich feststellen, dass es eine große Freude war, mit den Autoren arbeiten zu dürfen, so wie auch die Zusammenarbeit mit dem Schneider-Verlag und mit der ausgezeichneten Setzerin Frau Cordula Roleff reibungslos, sehr erfreulich und konstruktiv war. Besonders hervorheben möchte ich noch die sehr aufwändige Register-Erstellung bei sämtlichen 50 Bänden durch meine Frau. Auch allen anderen Beteiligten, der Führung des Landesverbands, dem Ministerium, dem Bayerischen Rundfunk, der stets großzügig die Edition der Musicassetten und später der CDs förderte, bin ich zu großem Dank verpflichtet - ohne diese tatkräftige Unterstützung hätte das Projekt viel größere Schwierigkeiten zu überwinden gehabt.
Ich bin froh, dass damals vor 25 Jahren sich niemand dem Vorhaben entgegen stellte, sondern ich nur offene Ohren, Türen und Hände fand. So kann ich mich heute ein wenig zurücklehnen und meinem Nachfolger Dr. Franzpeter Messmer von Herzen ein gutes Gelingen für die nächsten 50 Bände wünschen - Komponisten sind noch genügend vorhanden......!
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