Ein Leben für die Musik: Zum Tod von Rudi Spring

Ein Leben für die Musik: Zum Tod von Rudi Spring
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Ein Leben für die Musik: Zum Tod von Rudi Spring

Am 28. Dezember 2025 ist im Alter von 63 Jahren der Komponist, Pianist und Musikpädagoge Rudi Spring verstorben. Seid Tod kam selbst für die ihm Nächststehenden völlig unerwartet; er ereilte ihn, den unermüdlich Aktiven, auf Reisen. In Rudi Spring verliert (nicht nur) die bayerische Kulturlandschaft eine ihrer zentralen Persönlichkeiten, unersetzlich in hochindividueller Mischung aus stürmischer Begeisterung für die Sache, sensiblem Gespür für ästhetische Nuancen, Offenheit für spontane Eingebungen und Liebe zur durchdachten Konzeption. Rudi Spring war Allroundmusiker im würdigsten Sinn: Als Komponist schuf er aus der Fülle vielseitig entflammbarer Inspiration; als Interpret trat er selbst- und kompromisslos für das Vermächtnis anderer ein; als Hochschullehrer, Musikschriftsteller und Konzertmoderator ließ er Studierende und Publikum teilhaben an profunden Einsichten in werkinterne und kontextuelle Zusammenhänge.

Der in Lindau am Bodensee Geborene hatte, nach frühen Lehrjahren am Konservatorium Bregenz, Komposition und Klavier an der Musikhochschule München studiert. Die bayerische Hauptstadt wurde ihm zur Wahlheimat; hier entstand der größte Teil seines vielseitigen, preisgekrönten Œuvres, das von kleinformatigen Miniaturen bis zur Symphonik reicht und Werke für vertraute ebenso wie für unkonventionelle Besetzungen umfasst (Werkverzeichnis unter https://www.verlag433.de). Als Komponist agierte Spring im Dialog mit der kunstmusikalischen Tradition, den er von höchst individuellem Standpunkt aus führte: Neu aufgesuchte oder ‚implizite‘ Tonalität waren von dort aus ebenso zugänglich wie strenger Konstruktivismus, undogmatisches Reihendenken oder polyphone Kombinatorik.

Von der Souveränität seines strukturellen Denkens und Hörens, die er als Komponist so effektiv einsetzte, zeugt auch sein Klavierspiel. Auf zahlreichen Aufnahmen (eingespielt etwa für den Bayerischen Rundfunk und eigene CD-Produktionen) ist sein nuancenreiches Spiel dokumentiert, das auf Transparenz und Durchformung der musikalischen Linie setzte, nicht auf Überwältigung durch den performativen Effekt. Nicht zuletzt war Spring als überaus engagierter Lehrer tätig. Über 35 Jahre, mit Unterbrechungen seit 1987, unterrichtete er an der Münchener Musikhochschule, am weitaus längsten im Fach Liedgestaltung. Sieben Jahre lang wirkt er außerdem am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Als Pädagoge war er leidenschaftlich, dabei von intensiver Gründlichkeit beseelt, wie es seinem künstlerischen Ethos entsprach. Herzenssache war ihm nicht nur das gängige Repertoire; mit beredter Verve führte er gerade auch an Komponist*innen abseits ausgetretener Pfade heran, denen er sich in ästhetischer Hinsicht verbunden sah – ein Anliegen, dem er auch sein musikschriftstellerisches Wirken widmete (besonders prominent in der Zeitschrift Vox Humana).

Der plötzliche Verlust dieser universal gebildeten Künstlerpersönlichkeit ist kaum zu fassen. Weiterleben wird Rudi Springs Vermächtnis; ihm gerecht zu werden wird die Aufgabe künftiger Generationen sein. (Kilian Sprau) Der Nachruf erscheint in einer der kommenden nmz-Ausgaben.

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Andrea Fink

Geschrieben von Andrea Fink

Generalsekretärin des Tonkünstlerverbands Bayern e.V. und Leitung der Geschäftsstelle.

Der Tonkünstlerverband Bayern e.V. (TKVB) ist mit 3000 Mitgliedern der größte Berufsverband für Musikschaffende im Freistaat Bayern.

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