experimentelle musik würzburg: Hier kommen regional und überregional musizierende Künstler im neu eröffneten Josefum zusammen, um es musikalisch, tänzerisch, optisch und in einem Fall sogar olfaktorisch zu bespielen.
Das eintägige Festival im Dezember 2025 wurde von Steffen Zeller mit zwei Stücken John Cages für präpariertes Klavier eröffnet, dem zugleich wohl bekanntesten Einstieg in experimentelles Musizieren im vergangenen Jahrhundert. Dazu zwei frühe Werke Tom Johnsons, der hier noch im tonalen Bereich mit einfacheren Algorithmen experimentiert. Der Schweinfurter Gitarrist und Komponist Lorenz Schmidt führte mit der Harfengitarre in der Folge eigene Werke auf, die nach Gedichten von Andrea Rauch und Klaus Gasseleder komponiert wurden.
Die Mainzer Konzeptkünstlerin Anna Schimkat präsentierte ihre aktuelle Performance »Water«, in der sie Aufnahmen von Hydrophonen (schmelzende Eisblöcke!) mit Kontaktmikrofonen vor Ort in einem kompakten elektro-akustischen Live-Setting vor gebannter Zuhörerschaft kombinierte.
»Erkundung der Beziehungen zwischen persönlicher Emotion, Architektur, Raum, Bewegung, Rhythmus und Klang in vier Szenen« hieß die raumgreifende Tanz- und Musikperformance der vier Künstlerinnen und Künstler Rosa Faerber, Uli Kleideiter, Lisa Kuttner und Dirk Rumig.
Der Leipziger Michael Barthel lieferte sein tief beeindruckendes Sprechstück »DURCHHALTEN« – er brachte alle Facetten von Stimme und Emotion in den abgedunkelten und mit hochkonzentriertem Publikum gefüllten Josefsaal: Sein Stück befasst sich mit der fortlaufenden Chronologie von Krieg / Frieden / Krieg /… Ein durchschlagender Beweis, dass experimentelle Kunstformen nicht zwangsläufig Kunst um der Kunst willen sein müssen, sondern sich an aktuelle Themen knüpfen lassen.
Dann wieder eher klassisch das Bibra Guitar Quartett mit Werken von András Hamary, Detlev Heusinger, Joachim W. Schneider und Klaus Hinrich Stahmer, auf höchstem musikalischen Niveau dargeboten.
Inzwischen hatte das Trio Válek Merta Tarnovski über mehrere Stunden den Festsaal in eine Zauberwelt verwandelt: Die den Raum füllende Installation für Ohren, Augen und sogar die Nase entfaltete mit kinetischen Objekten, klassischen Instrumenten, Steinen, hölzernen und metallischen Gegenständen für eine Stunde die Zeit.
Wer nun noch nicht genug hatte, konnte zum Ende noch einmal in eine mathematische Musikwerkstatt eintreten: mit zwei Werken Tom Johnsons, einer Eigenkomposition und Morton Feldman als Zugabe beendete Steffen Zeller den Reigen verschiedenster Möglichkeiten experimentellen Musizierens.
Der Zuspruch des Publikums fiel unerwartet groß und ermutigend aus, so dass bereits am nächsten Festival (14./15. November 2026) gearbeitet wird. Wer neugierig geworden ist: die aktuellen Entwicklungen finden sich auf:
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